EINE SCHÖN INSZENIERTE MELANCHOLIE: “I CAN BARELY REMEMBER THE DAY” VON LEON LUČEV (RHEINMAINKURZFILMPREIS)

Manchmal tut man etwas, was einen selbst verletzt, aber dadurch anderen Mitmenschen nicht wehtut. Man versteckt seine eigenen Gefühle, um jemanden Anderen zu schützen. Die eigenen Emotionen verheimlichen, um den Anderen ein besseres Gefühl zu geben. Auch, wenn dies einen innerlich vielleicht auffrisst. Wenn du nicht mehr den Gesprächen anderer folgen kannst, weil du ganz und gar mit dir beschäftigt bist.
Und dann hast du jemanden, der dich ohne Worte versteht. Der dich einfach nur in den Arm nimmt, anschaut und versteht. Und deine Gedanken und Gefühle scheinen, zumindest für einen Moment, weniger belastend.
Was der Film I CAN BARELY REMEMBER THE DAY durch lange Einstellungen, langsame Erzählung und wenige Dialoge einfühlsam vermittelt, ist das Gefühl des Versinkens in Trauer, Mitgefühl, Einsamkeit und Liebe. Die Erleichterung, wenn jemand, ohne etwas zu sagen, Trost spendet. Die stimmungsvollen Aufnahmen und das wunderbar eingefangene, natürliche Licht erschaffen eine vor Harmonie geradezu sprühende Atmosphäre. Dadurch wird das innerliche Zerreißen des Familienvaters Goran auf traurige und gleichzeitig schöne Weise den Zuschauer*innen erfahrbar gemacht, denn Goran hält die Nachricht des Todes seines Vaters zurück, um den Geburtstag seiner Tochter nicht zu ruinieren.
Ein Film über Empathie und das Verstehen ohne Worte.

(c) goEast Filmfestival 2019

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